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Stolperstein erinnert an Gustav Meyer

17.04.2026

Prenzlau (spz). Unweit der Stelle, wo einst das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Mayer stand, wurde jetzt ein Stolperstein verlegt. Er erinnert an Gustav Mayer, 1871 geboren, Sohn Prenzlaus, der „aus dieser Stadt in die Welt hinausging und zu einem der bedeutendsten Historiker der Arbeiterbewegung wurde. Mayer wuchs als ältester Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Das Geschäft seiner Familie in der Steinstraße stand für unternehmerischen Erfolg und für die Verwurzelung jüdischer Bürger im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Prenzlaus“, so Jürgen Theil, Vorsitzender des Uckermärkischen Geschichtsvereins. Er und Prof. Dr. Gottfried Niedhart, Historiker und emeritierter Professor für Neuere Geschichte, regten die Verlegung dieses Stolpersteins an und stifteten ihn. – Niedhart hat sich intensiv mit Mayers Leben beschäftigt und zwei Bücher über ihn herausgegeben. – „Nach seiner Schulzeit studierte Gustav Mayer Nationalökonomie und wandte sich früh den sozialen Fragen seiner Zeit zu.  Er beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte der Arbeiterbewegung und verfasste grundlegende Werke, darunter die erste und bis heute bedeutende Biografie über Friedrich Engels. 1922 wurde Gustav Mayer Professor an der Berliner Universität. Er glaubte an eine offene Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion selbstverständlich zusammenleben können. In seinen Erinnerungen schrieb er, dass er unter den ‚nüchternen Uckermärkern‘ seiner Heimat nie religiösen Hass gespürt habe. Doch diese Hoffnung wurde zerstört“, macht Theil bei der Stolpersteinverlegung deutlich. „Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlor Mayer als Jude seine Stellung. Seine Arbeit wurde behindert, seine Zukunft in Deutschland zerstört. 1937 musste er seine Heimat verlassen und ins Exil gehen. In London setzte er seine wissenschaftliche Arbeit fort – fern von dem Land, dessen Geschichte er erforscht hatte und dessen Sprache und Kultur er zutiefst verbunden blieb. 1948 starb Gustav Mayer im Exil.“

Der Stolperstein, so Theil, erinnere nicht nur an das persönliche Schicksal von Gustav Mayer, sondern auch daran, „dass Deutschland einen bedeutenden Gelehrten verlor – und dass Ausgrenzung, Verfolgung und Hass Menschen aus ihrer Heimat vertreiben konnten. Wenn wir heute diesen Stein in das Pflaster einsetzen, holen wir Gustav Mayer symbolisch zurück nach Prenzlau. Wir geben ihm seinen Platz in der Erinnerung dieser Stadt zurück. Möge dieser Stein uns beim Vorübergehen daran erinnern, dass hinter jedem Namen ein Leben steht – eine Familie, eine Hoffnung, eine Geschichte. Und möge er uns daran erinnern, Verantwortung zu tragen: für eine offene Gesellschaft, in der Ausgrenzung und Antisemitismus keinen Platz haben.“

In Prenzlau liegen mit jenem für Gustav Meyer verlegten zurzeit 22 Stolpersteine. Im nächsten Jahr sollen weitere Steine hinzukommen. Zwei von ihnen für Alexander und Frieda Sinasohn, geborene Zander.  Alexander und Frieda Sinasohn wurden ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sie 1943 umgekommen sind. Ihr einziger Sohn Hans konnte durch die sogenannten Kindertransporte gerettet werden. Er verließ Prenzlau im Januar 1939 kurz nach seinem elften Geburtstag und kam zuerst nach Belgien und von dort in die USA. Sein Sohn Sam wird mit seiner Familie nächstes Jahr an der Stolpersteinverlegung teilnehmen. Alexander Sinasohn ist der Bruder von Georg Sinasohn. Für ihn und seine Frau Selma sowie ihre Tochter Ilse gibt es bereits Stolpersteine in Prenzlau.

Ein weiterer Stein wird im nächsten Jahr für den jüdischen Arzt Julius Liebrecht verlegt. Er nahm sich 1937 aufgrund der Repressalien der Nationalsozialisten das Leben. Seine Frau Paula Liebrecht, geborene Engel, zog nach dem Tod ihres Mannes nach Berlin. Von dort wurde sie nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. In Berlin erinnert ein Stolperstein an sie.  Der einzige Sohn der Liebrechts, Max, konnte – ebenso wie Hans Sinasohn - durch einen Kindertransport gerettet werden. Er kam nach Palästina und überlebte den Holocaust. In Israel lebte er unter dem Namen Moshe Lev Ran.

 

Ansprechpartner:

Frau S. Nietzold
Dominikanerkloster Prenzlau / Stadtarchiv
SGL Stadtarchiv

Kategorie:

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