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Sanierung der Heiliggeist-Kapelle hat Symbolkraft

19.01.2012

Prenzlau (spz). Mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Krieg ist das Ausmaß der Zerstörung Prenzlaus heute kaum mehr nachvollziehbar. – Abgesehen von jenen späteren städtebaulichen Lösungen, die heute noch erahnen lassen, wie viele prägende Gebäude dieser Stadt Opfer von Flammen und Zerstörung wurden.

„Einzig die Heiliggeist-Kapelle hat bis in unsere Tage an diese Zeit erinnert“, so Dr. Andreas Heinrich. Deshalb hat dieses Gebäude für den Zweiten Beigeordneten besondere Bedeutung. „Es hat schon eine gewisse Symbolkraft, wenn wir die Kapelle jetzt – knapp 67 Jahre nach ihrer Zerstörung – anfassen, ihre Hülle sanieren und ihr ein Dach geben.“ In Gesprächen, vor allem mit älteren Prenzlauern, die sich des Anblicks vor dem Krieg noch erinnern können, aber auch mit jenen, die in ihrem Geschichtsbewusstsein Wert auf den Erhalt der Substanz und deren langfristige Rettung legen, wurde ihm dieser Eindruck immer wieder bestätigt.

„Das Bestreben, die Heiliggeist-Kapelle wieder aufzubauen, ist nicht neu. Auch der im vergangenen Jahr verstorbene Bauingenieur Manfred Lipinski entwickelte, zu DDR-Zeiten bereits, einen entsprechenden Projektvorschlag. Danach sollte das Gebäude zunächst als Baustelleneinrichtung für die Marktbergbebauung genutzt werden. Danach sahen seine Pläne eine spätere Nutzung als Jugendclub im Erdgeschoss sowie Ausstellungs-, Büro- und Sanitärräume vor“, erinnert Kerstin Oyczysk, Leiterin des Amtes für Hoch- und Tiefbau der Stadt.

Erbaut wurde die Heiliggeist-Kapelle Anfang des 14. Jahrhunderts als rechteckiger Granitquaderbau mit zweigeschossigem Glockentürmchen. Zunächst diente das Gebäude als Kapelle für das 1321 erstmals erwähnte Heiliggeist-Hospital, das sich an westlicher Seite anschloss. Im Stadtlexikon von Jürgen Theil ist nachzulesen, dass die Kapelle 1732 neuen Innenputz und neue Fenster erhielt und auch das Dach ausgebessert wurde. Etwa zur gleichen Zeit, so die Recherchen, entstand auch der kleine kunstvolle Turm, der die Kapelle ziert. 1739 wurde die Kirche mit den notwendigen Sitzmöbeln versehen und vier Jahre später wurde eine Orgel eingebaut. Das Hospital, so ist bei Theil nachzulesen, zahlte dafür 400 Taler.

1899 dann bezog das Uckermärkische Museum das Gebäude und hatte hier seinen Sitz, bis die Kapelle 1945 vollständig ausbrannte. Die Glocken, die sich einst in der Kapelle befanden, wurden der Katholischen Kirche Maria Magdalena als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Den Prenzlauern und Gästen der Stadt ist der Anblick der vom Krieg gezeichneten Heiliggeist-Kapelle zu einer gewohnten Kulisse geworden. Und er weckte den Wunsch, die Kapelle „anzufassen“, sie zu retten, zu bewahren. „Das ist uns jetzt Dank einer einmaligen 90-prozentigen Kombination von EU- und Stadtumbau-Fördermitteln gelungen“, so Heinrich. Die Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 570 000 Euro.

Seit Ende letzten Jahres laufen die Arbeiten, die die denkmalgerechte Instandsetzung der Außenmauern einschließlich der Ertüchtigung der Gründung entsprechend der Festlegungen des Baugrundgutachtens zum Inhalt haben. Darüber hinaus wurde ein neuer Dachstuhl errichtet, der in seiner äußeren Form dem im Krieg zerstörten Dach entspricht. Die Dacheindeckung erfolgt mit Biberschwanzziegeln. Der Ostgiebel wird wieder aufgemauert; es erfolgt die Herstellung eines Zugangs auf der Südseite des Gebäudes zur Straße Marktberg hin und das Portal an der Westseite wird geöffnet.

„Zur Landesgartenschau wird der touristisch bedeutsame Vier-Türme-Blick vom neu gestalteten Parkplatz Fischerstraße aus damit noch attraktiver sein“, so Bürgermeister Hendrik Sommer.

Über Möglichkeiten einer künftigen Nutzung des Gebäudes wird die Verwaltung in den nächsten Monaten mit den Stadtverordneten ins Gespräch kommen.

Am Bau beteiligte Firmen:

Beckert & Stoffregen Architekten

Ingenieurbüro Jäger: Statik

Prüfingenieur Herr Gerd Sy: Prüfung der Statik

Gerüstbau Reichelt aus Kölpin bei Neubrandenburg

Baudenkmalpflege GmbH – Dachdecker- und Maurerarbeiten

Gramzower Bauhof – Holzarbeiten

 

Ansprechpartner:

Frau K. Oyczysk
Hoch- und Tiefbauamt
Amtsleiterin

Kategorie:

Bauen und Stadtentwicklung
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